Bertramwurzel

Ein Heilkraut, dem über Jahrhunderte hinweg in verschiedenen Kulturkreisen Heilkräfte für so zahlreiche Anwendungsgebiete zugeschrieben werden, muss wohl viele Wirkungen in sich vereinen. In der Tat sind es verschiedene und vielfältige Eigenschaften, die die Wurzel haben soll. Schauen wir also, was die Inhaltsstoffe der Bertramwurzel alles können.

Eine Wurzel, viele Wirkungen

Die umfassende Wirkung von Bertram entsteht vermutlich durch das Zusammenspiel der zahlreichen Inhaltsstoffe der Wurzel. Sind diese einzeln betrachtet schon bemerkenswert, so kann das Gesamtpaket der Wirkstoffe einfach noch viel mehr. Kurz zusammen gefasst werden dem Bertram folgende Eigenschaften zugeschrieben:

  • adstringierend (zusammenziehend)
  • entzündungshemmend
  • antibakteriell
  • immunstimulierend
  • verdauungsfördernd
  • schleimlösend
  • lokalanästhetisch (lokal schmerzbetäubend)
  • nervenstärkend
  • stimmungsaufhellend
  • aphrodisisch (Libido steigernd)
  • blutreinigend
  • hautreizend

So breit gefächert wie die potentiellen Wirkungen, die der Bertramwurzel zugeschrieben werden, sind demzufolge auch die möglichen Einsatzgebiete.

Eigenschaften und Anwendungen – einige Beispiele

Bei Problemen im Rachenraum stehen insbesondere die entzündungshemmende Wirkung des Pellitorins sowie der zusammenziehende Effekt der Gerbstoffe im Vordergrund. Und die leicht schmerzbetäubende Wirkung tut vor allem bei Zahnweh ihren guten Dienst.

Gerbstoffe werden innerlich häufig bei Durchfallerkrankungen und Harnwegsinfekten eingesetzt. Sie sind in der Bertramwurzel reichlich vorhanden und sorgen neben dem Inulin für die verdauungsfördernde Wirkung.

Äußerlich sollen sie bei Entzündungen im Rachen- und Mundraum sowie gegen verschiedene Hautprobleme helfen, da sie antientzündlich und antibakteriell agieren.

Wenn Hildegard von Bingen sagt, dass Bertram „im Menschen den Verstand und die Intelligenzleistung verstärkt“, so könnte das am Anacyclin liegen, das für die nervenstärkende Wirkung mitverantwortlich ist.

Hildegard ist es auch, die auf die blutreinigenden Eigenschaften verweist, indem sie anmerkt: „Er … leitet schlechte Säfte aus …“ oder dass er „… bei Infektionen die Fäulnisstoffe vermindert und gutes Blut bildet“.

Für die positiven Gesundheitseffekte auf die Atemwege können die ätherischen Öle mit ihren schleimlösenden und antibakteriellen Eigenschaften verantwortlich gemacht werden. Sie wirken übrigens auch auf die Psyche, und da wären wir bei der möglicherweise deutlich stimmungsaufhellenden Wirkung von Bertram.

Der Einsatz von Bertram als Aphrodisiakum, also als Libido steigerndes Mittel, gilt im indischen Ayurveda als selbstverständlich, und die Wirksamkeit ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen.

Die hautreizenden Eigenschaften werden bei Hexenschuss und Ischias zur Steigerung der Durchblutung und als Wärmereiz genutzt.

Welche Nebenwirkungen hat Bertram?

Natürlich kann jedes pflanzliche Heilmittel auch Überempfindlichkeitsreaktionen oder sogar allergische Reaktionen hervorrufen.

Und ja: Wo Wirkungen zu erwarten sind, sollte auch mit Nebenwirkungen gerechnet werden. Die sind vor allem dann wahrscheinlich, wenn die Dosierungs- und Einnahme-empfehlungen nicht beachtet werden. Bertram gilt allgemein als sehr gut verträglich, kann aber in Einzelfällen auch unerwünschte Wirkungen zeigen.

Bekannt ist, dass Pyrethrum (Pyrethrin) bei starker Überdosierung Übelkeit und Erbrechen, Magenschmerzen und Durchfall sowie Kopfschmerzen verursachen kann. Es gilt nämlich als Nervengift, was beispielsweise beim Einsatz als Insektenschutzmittel durchaus gewünscht ist und genutzt wird. Aber es kann eben auch bei empfindlichen Menschen neurotoxisch wirken.

Oft wird daher eine eher sparsame Dosierung von Bertram empfohlen. Auch eine intensive Einnahme über einen längeren Zeitraum sollte niemand allzu sorglos vornehmen. Auch, wenn dies der Empfehlung Hildegard von Bingens zur täglichen Krankheitsprävention widerspricht.

Die Monographie der Kommission D nennt keinerlei Risiken bei der Anwendung, weist allerdings auf die Möglichkeit von Hautreizungen bei äußerlicher Anwendung hin. Gegenanzeigen und Wechselwirkungen sind bisher nicht bekannt.

Anwendungsgebiete von Bertram

Bertram scheint hinsichtlich seiner Anwendungsgebiete fast ein Universalmittel zu sein. Und als solches betrachtet es ja auch seine glühendste Verfechterin Hildegard von Bingen. Denn sie empfiehlt es Gesunden zur Vorbeugung und Kranken zur Heilung. So wundert es nicht, dass die potentiellen Anwendungsgebiete der Wurzel recht vielfältig sind.

Traditionelle Anwendungsgebiete der Bertramwurzel

Viele Überlieferungen und alte Schriften weisen auf die unterschiedlichsten gesundheitsfördernden Wirkungen von Bertram hin: Von Zahnweh über diverse Magen-Darm-Probleme bis hin zu Herz- und Lungenleiden oder Förderung der Hirnleistung wurde sie eingesetzt.

Äußerlich waren Einreibungen gegen Hexenschuss oder Verräucherungen zur Stimmungsaufhellung gängig. Nicht nur die Indianer setzten Bertram gegen Zahnschmerzen ein, indem sie auf der Wurzel kauten. In fast allen alten medizinischen Pflanzenbüchern wird Bertram mit Zahnproblemen in Verbindung gebracht. Auch andere Beschwerden im Rachenraum, etwa Mundtrockenheit, Entzündungen von Schleimhaut und Zahnfleisch oder gar Zungenlähmung nach Schlaganfällen werden angeführt.

Ganz zentral ist die traditionelle Bedeutung von Bertram bei Magen-Darm-Problemen. Hildegard von Bingen sagt dazu: „… im Menschen läßt er nichts unverdaut, sondern bereitet gute Verdauung, wenn man ihn fleißig ißt …“ und empfiehlt ihn deshalb als Zutat zu allen Speisen.

Verdauungsschwäche oder Verstopfung sowie Blähungen sind typische Einsatzgebiete für Bertram, da er den Speichelfluss anzuregen vermag und damit unverzichtbare Verdauungsenzyme freisetzt. Außerdem soll er dafür sorgen, dass Nährstoffe – also Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente – besser vom Organismus aufgenommen werden können.

Bei Erkrankungen des Verdauungsapparates und Resorptionsstörungen oder einfach bei Fehlernährung zeigt er sich damit als ein gutes Hilfsmittel gegen Mangelerscheinungen und allgemein als gutes Kräftigungsmittel. Hildegard hat auch hierzu eine Meinung: „Einen Kranken, der körperlich fast ganz heruntergekommen ist, bringt er wieder zu Kräften.“ Sie verabreichte ihn auch gegen Eisen- und Vitamin B12-Mangel.

Die Erfahrungsmedizin setzt Bertram auch bei rheumatischen Beschwerden, Diabetes, Herzbeschwerden, Lungenleiden oder Wechselfieber ein – laut Überlieferungen mit guten Erfolgen. Ob Niesmittel bei Stirnhöhlenkatarrhen oder Mittel gegen Husten, zur „Reinigung des Gehirns“, gegen Bettnässen oder Neuralgien – Bertram wird auch hier als Heilmittel der Wahl genannt. Im indischen Ayurveda gilt Bertram seit jeher als Mittel zur Steigerung von Vitalität und Liebeslust.

Auch auf psychischer Ebene soll Bertram übrigens seine Wirkungen entfalten: Angstzustände, Schlaflosigkeit, mangelndes Selbstwertgefühl oder Depressionen sind volksheilkundliche Anwendungsgebiete für die erstaunliche Wurzel. Deshalb gilt Bertram auch als nervenstärkendes Mittel.

Äußerlich wurden in der Volksheilkunde Rückenbeschwerden wie Hexenschuss oder Ischias mit Auflagen aus zu Mus zerstampfter Wurzel oder mit in Bertramaufguss getränkten Umschlägen bekämpft. Einreibungen sollten bei erfrorenen Gliedern helfen.

Sogar im biologischen Pflanzenschutz findet die Bertramwurzel traditionell ihren Platz: Sie leistet gute Dienste bei der Insektenbekämpfung.

Neben Hildegard von Bingen erwähnen auch viele andere renommierte Mediziner, Apotheker und Botaniker von Paracelsus (1493-1541), Matthiolus (1501-1577) und Weinmann (1683-1741) über Hufeland (1762-1836), Bentley und Trimen oder Potter (alle 19. Jahrhundert) bis hin zu Madaus (1890-1942) die erstaunlich vielfältigen Anwendungsgebiete des Bertram.

Dennoch ist Bertram heute nur als Gewürz oder Nahrungsergänzungsmittel zu kaufen, nicht als anerkanntes Heilmittel. In der Monographie der Kommission D (BGA/BfArM) Nr. 242 a vom 28.12.1988 Bundesanzeiger heißt es: „Die Anwendungsgebiete sind nicht ausreichend belegt“.

Was neuere Erkenntnisse dazu sagen

Was im Altertum quasi als Tausendsassa der Heilkunst galt, ist zwischenzeitlich ziemlich in Vergessenheit geraten. Langsam aber schleicht sich Anacyclus pyrethrum wieder ins Bewusstsein derer, die sich mit pflanzlichen Heilmitteln befassen. So sind in den vergangenen Jahren verschiedene internationale Studien durchgeführt worden, die die möglichen medizinischen Wirkungen untersuchen.

Gegenstand der Forschungen waren und sind die Einsatzmöglichkeiten von Bertram bei Diabetes und Rheuma, als Mittel zur Steigerung der Libido, als Gehirnstärkungsmittel oder als Mittel gegen Infektionen bzw. zur Infektionsvorbeugung und Stimulans des Immunsystems. Die Ergebnisse sind teilweise sehr vielversprechend.

Inhaltsstoffe der Bertramwurzel

Dass der Bertrampflanze eine ganze Reihe von wohltuenden und sogar heilenden Wirkungen zugeschrieben werden, liegt natürlich an ihren wertvollen Inhaltsstoffen, die hier einer näheren Betrachtung unterzogen werden sollen.

Die größte Konzentration der gesunden Stoffe stecken vor allem in der Wurzel. Folgende Inhaltsstoffe der Bertramwurzel sollen kurz beschrieben werden:

  • Pellitorin bzw. Pyrethrin
  • Anacyclin
  • Inulin
  • Gerbstoffe
  • ätherische Öle
  • Harze
  • abwehrsteigernde Zuckerverbindungen

Hinzu kommen Spurenelemente und Mineralstoffe in kleinen Mengen, etwa Kieselerde (weniger als 1 %) und Eisen.

Pellitorin = Pyrethrin

Pellitorin war früher unter dem Namen Pyrethrin bekannt. Es handelt sich hierbei um einen Wirkstoff gegen Moskitos, also die Stechmücken, die für die Übertragung der Malaria verantwortlich sind.

Nach der englischen Bezeichnung „pellitory root“ für die Bertramwurzel wurde es umbenannt. Die Umbenennung ist sinnvoll, um eine Verwechslung mit dem stickstofffreien Pyrethrin aus bestimmten Chrysanthemenarten auszuschließen, die vor allem zur Insektenbekämpfung verwendet werden.

Die Wirkung der Inhaltsstoffe ist allerdings praktisch identisch. Pellitorin gehört zu den Alkamiden, die jüngeren Studien zufolge immunmodulatorische und entzündungshemmende Eigenschaften haben. Als „trans-Pellitorin“ wird der Wirkstoff als speichelfördernder Aromastoff genutzt und ist als solcher mit verschiedenen Patenten belegt.

Anacyclin

Anacyclin ist dem Pellitorin chemisch verwandt. Der Chemiker Professor Ferdinand Bohlmann isolierte den Wirkstoff im Jahr 1963 am Institut für Organische Chemie der TU Berlin.

Der Wirkstoff soll einen guten Schutz vor Infektionskrankheiten bieten und außerdem auf das zentrale Nervensystem wirken, wo es die Gehirnleistung verbessern könnte. Es wurde nach Anacyclus pyrethum (Mehrjähriger Bertram) benannt.

Inulin

Inulin ist eine im Pflanzenreich stark verbreitete Stärkeart (Mehrfachzucker). Das leicht süßlich schmeckende Inulin ist ernährungsphysiologisch ein „wasserlöslicher, prebiotischer Ballaststoff“. Durch seine Fähigkeit, viel Wasser zu binden, erhöht es das Stuhlvolumen. Dadurch hat es eine positive Wirkung auf die Verdauung. Außerdem erhöht es die Aufnahmefähigkeit für Magnesium und Kalzium.

Es ist zu einem recht hohen Anteil (über 25 %) in der Bertramwurzel enthalten.

Übrigens: Inulin sollte nicht mit Insulin verwechselt werden, denn im Gegensatz dazu hat Inulin keinerlei Einfluss auf den Zuckerstoffwechsel.

Gerbstoffe

Bei den Gerbstoffen handelt es sich um flavonoide Verbindungen, die zu den sekundären Pflanzenstoffen zählen. Einer der in der Bertramwurzel enthaltenen Gerbstoffe ist das Tannin. Es verursacht ein adstringentes (zusammenziehendes) Mundgefühl, das heißt: ein stumpfes, pelziges und trockenes Gefühl. Der Geschmack ist leicht bitter.

Gerbstoffe besitzen entzündungshemmende, bakterizide und fungizide, leicht lokalanästhetische und reizmildernde Wirkungen. Die Tannine des Bertram sind sehr schleimhautfreundlich.

Ätherische Öle

Es gibt sehr viele unterschiedliche ätherische Öle, und entsprechend vielfältig sind ihre Einsatzgebiete. Sie können aus allen Pflanzenteilen gewonnen werden. Im Falle des Bertram stecken sie vor allem in der Wurzel. Sie wirken innerlich und äußerlich.

Innerlich angewandt beeinflussen sie unter anderem direkt das Gehirn. Sie können also physische wie psychische Prozesse beeinflussen. Daher werden der Bertramwurzel auch positive Effekte bei der Behandlung von stimmungsbedingten Beschwerden zugeschrieben.

Zu den ätherischen Ölen im Bertram gehören Campher und Cineol. Beide wirken positiv auf die Atemwege.

Harze

Natürliche, pflanzliche Harze zeichnen sich dadurch aus, dass sie Fäulnis und Gärung verhindern können, desinfizierend wirken und die Wundheilung fördern. Da es sich um sehr verschiedene, flüssige bis feste organische Substanzen handelt, können sie in der Medizin und Medizintechnik viele Aufgaben übernehmen.

Sie sind Bestandteil vieler Phytotherapeutika (Heilmittel aus Pflanzenteilen bzw. deren Zubereitungen).

abwehrsteigernde Zuckerverbindungen

Langkettigen Zuckerverbindungen wie Polysaccariden oder Beta-Glucanen wird nachgesagt, dass sie die Fress- und Killerzellen und damit das Immunsystem anregen. Beta-Glucan ist inzwischen wissenschaftlich gut untersucht und seine medizinischen Wirkungen durch Studien hinlänglich belegt.

Spurenelemente und Mineralstoffe

Verschiedene Spurenelemente und Mineralien ergänzen die Palette der Inhaltsstoffe der Bertrampflanze und bilden einen gesundheitsfördernden Wirkstoffmix. Die bereits erwähnte Kieselerde mit dem darin enthaltenen Spurenelement Silizium ist gut für Haut, Bindegewebe, Haar und Nägel. Eisen reguliert viele Stoffwechselvorgänge und sorgt für guten Sauerstofftransport im Blut.

Außerdem finden sich in der Heilpflanze Zink zur Stimulierung des Immunsystems, Mangan zum Schutz vor freien Radikalen, Kalzium als wichtiger Baustein für Knochen und Zähne, Kupfer zur Mobilisierung des Eisens sowie Kalium und Natrium zur Regulierung des Wasserhaushaltes im Körper.

Es wundert nicht, dass auch die Anwendungsgebiete der Bertramwurzel angesichts ihrer so vielfältigen Inhalts- und Wirkstoffe sehr breit gefächert sind.

Quelle: www.bertram-wurzel.de

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