Mariendistel

Die Mariendistel ist besonders als natürliches Stärkungsmittel der Leber bekannt. Beim jährlichen Treffen der American Association for Cancer Research (AACR) stellten Forscher vom Krebszentrum der Universität von Colorado hochinteressante Neuigkeiten vor.

Der Einsatz der Mariendistel ist somit nicht länger auf die Leber beschränkt. Offenbar kann sie den Körper auch in anderen Belangen unterstützen – zum Beispiel im Kampf gegen Darmkrebs.

Die Mariendistel – Eine Heilpflanze, die Leben rettet

Die Mariendistel ist eine so stark wirksame Leber-Heilpflanze, dass ihr Hauptwirkstoff – das Silibinin – die Leber vor dem tödlichen Gift des grünen Knollenblätterpilzes schützen kann. Dieser Pilz ist nach wie vor für die meisten Pilzunfälle mit Todesausgang verantwortlich. Um möglichst hohe Silibinin-Dosen zu erreichen, muss der Stoff in diesem Fall intravenös verabreicht werden. Doch ohne die Mariendistel würden auch heute noch sehr viel mehr Menschen an einer Pilzvergiftung sterben, als dies vor Einsatz der Pflanze der Fall war.

Die Mariendistel heißt übrigens deshalb Mariendistel, weil sie Maria gewidmet ist. Offenbar soll es sich so verhalten haben, dass beim Stillen des Jesuskindes einige Tropfen Muttermilch auf die Blätter einer gewöhnlichen Distel fielen. Die Distel, die normalerweise von den Menschen nicht sonderlich gemocht wird, fühlte sich geehrt und bildete ab sofort keine reingrünen Blätter mehr, sondern grün-weiß gefärbte. Jeder sollte bei ihrem Anblick daran erinnert werden, was ihr – der Distel – Wunderbares widerfahren war.

Die Eigenschaften und Wirkungen der Mariendistel

Die Mariendistel gehört zu den antioxidativ wirksamen Heilpflanzen. Sie neutralisiert somit freie Radikale und mindert oxidativen Stress. Die Pflanze wirkt aber nicht nur selbst antioxidativ, sondern regt auch die körpereigene Antioxidantienproduktion an, so dass der Glutathionspiegel steigt. Glutathion ist eines der stärksten körpereigenen Antioxidantien.

Zusätzlich aktiviert die Mariendistel die körpereigene Entgiftungsfähigkeit der Leber und zwar die Phasen I und II bei der körpereigenen Entgiftung.

Darüber hinaus wirkt die Mariendistel…

  • insgesamt zellschützend,
  • antihepatotoxisch (neutralisiert Lebergifte),
  • hepatoprotektiv (schützt die Leberzellen),
  • leberregenerierend,
  • verdauungsfördernd,
  • antimykotisch (z. B. gegen Candida albicans),
  • cholesterinsenkend und
  • cholagog (= choleretisch und cholekinetisch, siehe nächster Abschnitt).

Die Wirkung auf die Galle

Choleretisch bedeutet, dass der jeweilige Stoff die Gallenbildung in der Leber fördert. Cholekinetisch hingegen bedeutet, dass die Gallenblasenentleerung angeregt wird. Die Mariendistel vermag beides und gilt daher als Cholagogum. Man sagt, sie wirkt cholagog. Die cholagoge, also gallenflussfördernde Wirkung kann verstärkt werden, wenn man mehrere Cholagoga miteinander kombiniert, z. B. die Mariendistel mit Kurkuma (Curcumin).

Die Wirkung auf die Leber

Besonders gut erforscht sind die Wirkungen der Mariendistel auf die Lebergesundheit. So weiss man beispielsweise, dass Silymarin die Lipidstrukturen der Leberzellmembranen stabilisiert und auf diese Weise verhindert, dass Stoffe, die für die Leber giftig sind, in die Leberzelle eindringen können.

Gleichzeitig fördert Silymarin die Regeneration der Leber und die Neubildung gesunder Leberzellen. Der Flavonoidkomplex verstärkt überdies die Durchblutung der Pfortader und wirkt binnen kurzer Zeit Meteorismus (Blähbauch) entgegen. Auch die fibrotische (bindegewebige) Umwandlung von Leberzellen soll die Mariendistel hemmen können.

Werden Medikamente eingenommen, kann die Mariendistel die Leber – wenigstens teilweise – vor medikamentenbedingten Schäden schützen, z. B. bei der Einnahme von Paracetamol. Aber auch vor den Nebenwirkungen von Alkohol und Strahlentherapien kann die Pflanze bis zu einem gewissen Grad schützen.

Die Mariendistel unterstützt die Leber außerdem in ihrer Entgiftungsfunktion, besonders wenn noch andere Leberpflanzen eingesetzt werden, wie z. B. der Löwenzahn und die Artischocke, da sich die pflanzlichen Heilstoffe gegenseitig in ihren Wirkungen verstärken.

Wirkung auf Magen und Darm

Die Mariendistel ist Bestandteil wichtiger Rezepturen, wie z. B. von Iberogast, einer Tinktur, die bei Reizmagen und Reizdarm eingesetzt werden kann. Weitere Zutaten sind Kamillenblüten, Kümmel, Melisse, Pfefferminze, Süßholz, Bittere Schleifenblume und Schöllkraut. Die Mischung wirkt krampflösend und tonisierend und bringt – laut Studien – in 90 Prozent der Fälle eine Verbesserung der Beschwerden.

Bei verdorbenem Magen kann u. a. die Mariendistel (gemeinsam mit der Kamille) eingesetzt werden, um die Leber vor jenen Stoffen zu schützen, die den Magen verdorben haben.

Erste Untersuchungen zeigten außerdem, dass Silibinin den Selbstmordprozess von Candida albicans einleitet, so dass die Mariendistel auch bei einer Darm- oder Scheidenpilzinfektion die Therapie begleiten kann.

Selbst in Sachen Darmkrebsschutz ist die Mariendistel einsetzbar. Wir haben schon in einem entsprechenden Artikel erklärt, dass die Mariendistel das Wachstum und auch die Metastasierung von Darmkrebs blockieren kann. Wie wir in einem weiteren Artikel berichten, kann die darmkrebsschützende Wirkung der Mariendistel von Curcumin – dem Pflanzenstoff aus Kurkuma – verstärkt werden, so dass für diese Indikation eine Kombination der beiden Mittel sinnvoll sein könnte.

Wirkung bei Herzkreislauf-Erkrankungen

Auch auf die Gefäßgesundheit scheint die Mariendistel positive Effekte zu haben. Besonders Diabetiker leiden häufiger unter Herzkreislauf-Erkrankungen aufgrund einer Gefäßwandstörung (endotheliale Dysfunktion). Die Mariendistel senkt jedoch die ADMA-Werte. ADMA (asymmetrisches Dimethylarginin) ist ein Stoff, der sich andernfalls schädigend auf die Gefäßfunktionen auswirkt.

Wirkung bei Diabetes

Entzündungsprozesse und oxidativer Stress tragen auch zur Entstehung von Diabetes und – bei bestehendem Diabetes – zu seinen Folgeerkrankungen (Komplikationen) bei.

In einer iranischen dreifach verblindeten und placebokontrollierten Studie vom Februar 2015 zeigte sich, dass eine Nahrungsergänzung mit der Mariendistel bei Typ-2-Diabetikern einige Antioxidantienspiegel verbesserte sowie Entzündungswerte reduzierte.

Teilnehmer waren 40 Typ-2-Diabetiker zwischen 25 und 50 Jahren, die medikamentös gut eingestellt waren. Die Mariendistelgruppe erhielt nun 45 Tage lang dreimal täglich jeweils 140 mg Silymarin, die Placebogruppe ein entsprechendes Placebopräparat. Niemand berichtete von Nebenwirkungen.

In der Silymaringruppe stiegen nun im Vergleich zur Placebogruppe die Spiegel der körpereigenen Antioxidantien ganz signifikant, und zwar die Werte der SOD (Superoxiddismutase), der GPX (Glutathionperoxidase) sowie die Gesamtantioxidantienkapazität (TAC). Gleichzeitig sanken die Entzündungswerte um durchschnittlich etwa 27 Prozent. Die Malondialdehydwerte gingen um 12 Prozent nach unten. Malondialdehyd gilt bei Diabetes als Marker für oxidativen Stress.

Auch im Oktober 2011 erschien eine Diabetes-Studie mit der Mariendistel. In diesem Review untersuchte man neun randomisierte und placebokontrollierte Untersuchungen mit insgesamt 487 Patienten. Die Mariendistel konnte in diesen Studien die Blutzuckerwerte verbessern, Zimt hingegen nicht. Die Mariendistel kann daher bei Diabetes sehr gut begleitend eingenommen werden – am besten immer wieder kurweise für acht Wochen.

Wirkung auf das Immunsystem

Da die Mariendistel auch das Immunsystem stimuliert und die körpereigene Abwehrkraft stärkt – und zwar umso besser, je höher man die Mariendistel dosiert – wundern die positiven Wirkungen der Pflanze nicht mehr. Sie erhöht (allerdings bislang nur in vitro überprüft) die Werte des Interferon-gamma, Interleukin-4 und Interleukin-10.

Interferon-gamma stimuliert nicht nur das Immunsystem, der Botenstoff bekämpft auch Viren und verfügt über Anti-Tumor-Eigenschaften. Die beiden Interleukine hingegen wirken entzündungshemmend und sorgen dafür, dass das Immunsystem nicht überreagiert.

Mariendistel gegen Lungen- und Darmkrebs

Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Mariendistel sogar gegen die Ausbreitung von Lungenkrebs helfen könnte. Und auch in Sachen Darmkrebs scheint Silymarin bzw. die Mariendistel hilfreich zu sein.

So zeigten beispielsweise Studien der letzten Jahre, unter anderem von Dr. Agarwal und Kollegen, dass Silymarin Zellsignale beeinflusst, die für die Bildung und das Wachstum von Darmkrebszellen verantwortlich sind. Diese Studien gingen jedoch nicht über einfache Zellkulturen hinaus.

In einer neuen Untersuchung ergab sich, dass die Mariendistel bzw. das Silymarin auch bei Tieren Darmkrebs bekämpfen kann.Dazu hatte man Mäusen, die an Darmkrebs erkrankt waren, Silymarin ins Futter gegeben. Eine Kontrollgruppe, die ebenfalls an Darmkrebs erkrankt war, erhielt kein Silymarin. Die Ergebnisse waren deutlich. Die Tiere, denen Silymarin gefüttert wurde, hatten nicht nur weniger Krebs-Stammzellen, die Tumore waren auch kleiner und hatten außerdem einen niedrigeren Stoffwechsel.

Ebenso zeigten die Tumore eine reduzierte Neigung, neue Blutgefäße zu bilden. Mit anderen Worten: Das Tumorwachstum war merklich verlangsamt.

Silymarin aus der Mariendistel stoppt Metastasenbildung

Versuche im Stadium der Metastasenbildung zeigten, dass Tumore von Tieren, die einst Silymarin erhalten hatten, ihre Fähigkeit zum Wachstum und auch zur Metastasenbildung verloren hatten – und das, obwohl die Mäuse längst kein Silymarin mehr erhielten. Das ist vor allem deshalb interessant, weil der Haupttumor im Allgemeinen als weniger problematisch gilt als die Metastasen. Wenn also die Metastasenbildung gestoppt werden kann, ist die Hoffnung groß, den Krebs heilen zu können.

Aus der Studie lässt sich ableiten, dass Haupttumore, die mit Silymarin behandelt werden, langsamer wachsen und/oder keine Metastasen bilden, sodass eine problematische Ausbreitung der Krebskrankheit gehemmt oder sogar verhindert werden kann.

Silymarin gilt damit sogar als potenziell krebsvorbeugendes Mittel und könnte künftig – in welcher Form auch immer – als alternative Therapie zur üblichen Chemotherapie in Erwägung gezogen werden.

Mariendistel-Tee

Wie bereits oben erklärt, sind die Wirkstoffmengen im Mariendisteltee nur gering. Zwar kann der Tee bei Verdauungsbeschwerden (Blähungen, Völlegefühl) nützlich sein, zur Regeneration der Leber jedoch ist er nicht ausreichend.

Die Mariendistelsamen sollten in jedem Fall sehr fein gemahlen oder gemörsert werden, bevor man sie mit heißem Wasser aufgießt (1 – 2 TL der gemahlenen Samen (3 – 5 g) auf 1 Tasse Wasser (150 – 200 ml), zehn Minuten ziehen lässt und dann abgießt. Den Tee trinkt man 3- bis 4-mal täglich jeweils 30 Minuten vor den Mahlzeiten.

Da er nicht besonders gut schmeckt, mischt man ihn z. B. mit etwas Pfefferminze oder Süßholz. Letzteres enthält als Wirkstoff die Glycyrrhizinsäure, die sich ebenfalls durch leberschützende Eigenschaften auszeichnet und daher gut mit der Mariendistel harmoniert.

Bei anderen Indikationen (z. B. Leberproblemen, Diabetes, Krebs) sollte man zusätzlich auf Fertigpräparate zurückgreifen, um auch tatsächlich eine Wirkung zu erzielen. Fertigpräparate enthalten den Silymarinkomplex in hoher und meist standardisierter Dosierung (siehe nachfolgender Text)

Herstellung des Mariendistel Extraktes

Nur reife Früchte kommen für die medizinische Anwendung in Frage. In einem speziellen Verfahren wird aus ihnen das hochkonzentrierter Trockenextrakt gewonnen. Dies kann man entweder als Pulver oder aber auch als Kapseln erhalten.

In den Mariendistel-Extrakt-Kapseln wird Silymarin, ein Gemisch der Flavanonolderivate Silibinin, Isosilibinin, Silicristin und Silidiani verwendet. Denn nicht jedes Produkt aus Mariendistel ist gleich. Die Kapseln beinhalten ausschließlich das 10:1 Extrakt mit einem Wirkstoffanteil von 80% Silymarin. Dieses wird aus dem Samen der Pflanze gewonnen und nicht aus dem Kraut, welches sehr oft angeboten und so gut wie wirkungslos ist.

Quelle (Auszüge): https://www.zentrum-der-gesundheit.de/news/darmkrebs-mariendistel-15000039.html

Quelle (Auszüge): https://www.zentrum-der-gesundheit.de/mariendistel-leber-darm-galle.html

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